Tokio Hotel

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    Was war bloß geschehen? Wie konnte es nur so weit kommen? Was musste passiert sein, dass alles so endete? Dass sie nun hier auf ihrem Bett saß, versunken in einem Tränenmeer. Rotunterlaufene Augen. Sie brannten. Es tat weh. Nicht nur in ihren Augen. Nein, auch ihre Seele tat weh. Ihr Herz wurde rausgerissen. Stück für Stück. Aber jetzt war es fort. Fort wie alles andere auch. Er, die gemeinsame Zeit. Alles. Alles war verschwunden. Wie ausgelöscht. Als hätte es nie existiert. Na ja fast. Denn ein paar Dinge waren noch geblieben. Ihre Erinnerungen. Die Gedanken an ihn. An ihre gemeinsame Zeit. Die Fotos. Fotos von ihm alleine. Fotos von den beiden. Fotos, die Bedeutungen hatten. Fotos, hinter denen sich Erinnerungen verbargen. Zusätzlich zu den vielen Erinnerungen in ihrem Kopf. Aber sie schmerzten. Die Erinnerungen, die Gedanken, die Fotos. Einfach alles tat weh. Nach und nach nahm sie jedes der Fotos in die Hand. Schaute es an. Erinnerte sich an die Situation zurück. Und legte es weg. Ein Foto hielt sie besonders lange in der Hand. Das Foto mit dem alles angefangen hatte. Ihr erstes gemeinsames Bild. Entstanden an dem Tag, an dem sie zusammen kamen. An dem sie sich zum ersten Mal geküsst hatten. Es war im letzten Frühling. Sie waren durch den Park spaziert und hatten geredet. Und irgendwann war es passiert. Sie küssten sich. Und damit fing alles an. Sie dachten an eine gemeinsame Zukunft. Sie glaubte, die Liebe ihres Lebens gefunden zu haben. Und ihm ging es genauso. Nach diesem Tag folgte eine wunderschöne Zeit. Das Foto war eingerahmt. Umgeben von Glas. Es glänzte. Spiegelte sich im Licht der aufkommenden Sonne. Der Frühling stand vor der Tür. Der graue und triste Winter war vorbei. Doch sie war noch mittendrin. Der Winter war so trist wie ihr Leben im Moment. Einen letzten Blick warf sie auf das Bild. Dann warf sie es weg. Es flog quer durch das Zimmer. Knallte gegen die Wand und landete schließlich auf dem Boden. Nun war es begraben. Die größte Erinnerung begraben in einem Scherbenmeer. Von Sekunde zu Sekunde wurde ihr alles klarer, bewusster. Und von Sekunde zu Sekunde liefen mehr Tränen über ihr Gesicht. Fanden ihr Ende auf dem Ende der fast einjährigen Beziehung. Der Brief. Sein Abschiedsbrief. Immer wieder las sie ihn durch. Seine Worte brannten sich in ihr Gehirn. Zu den Erinnerungen. Und quälten sie.

    Ich halt den Brief
    In meiner kalten Hand
    Der letzte Satz war lang
    Solang er noch brennt
    Schau ich ihn an


    Seine Sätze. Die Gründe, die er nannte. Alles war so unwirklich und doch so real. Ein Schauer fuhr ihr über den Rücken. Sie zitterte. Mit ihrer letzten Kraft hielt sie den Brief in ihrer eiskalten Hand. Immer und immer wieder las sie seine Worte. Seine kalten Worte, die sie so verletzten. Die Worte, die sich in ihr Gehirn brannten und ihre Gefühle töteten.

    Mit jeder Zeile
    Stirbt ein Gefühl
    Was bleibt ist Finsternis
    Ein Schauer von dir
    Hilft nicht mehr viel


    Ja. Jeder Satz. Jede Zeile. Jedes seine Worte tötete ihre Gefühle. Sie schmerzten bis ins unermessliche. Und löschten die früher positiven Erinnerungen aus. Was zurück blieb war dunkel. Die Zukunft finster. Keine Aussichten. Nichts, was sie am Leben hielt. Das wurde ihr von Sekunde zu Sekunde bewusster. Ohne ihn war alles verloren. Ohne ihn machte nichts mehr Sinn. Alles quälte sie. Ihr letztes Stück Kraft floss in Tränen über seine Worte. Natürlich hatte sie es kommen sehen. Ihr war bewusst, dass es zwischen ihnen nicht mehr gut lief. Aber sie wollte es nicht wahr haben. Hatte es immer verdrängt. Sie liebte ihn doch. Und er liebte sie. Sie wollte für immer mit ihm zusammen bleiben. Ihr Leben mit ihm leben. Denn er war ihr Leben. Ohne ihn war sie nichts. Nur noch eine Hülle um ein leeres Inneres. Ein körperliches Wrack. Ohne irgendwelche Gefühle. Nur Trauer, Wut und Schmerz. Ein Nichts. Getötet von dem, was sie ein Mal war. Von dem, was einmal ihr Leben war. Von ihm. Von seinen Wörtern.

    Es bringt mich um

    Obwohl es sie innerlich tötete, schaffte sie es nicht seinen Abschiedsbrief aus der Hand zu legen. Zu verbrennen. Oder wegzuwerfen. Oder irgendwo hinzulegen. Sie schaffte es nicht. Ganz im Gegenteil. Sie umklammerte den Brief immer fester. Als wollte sie ihn nie wieder los lassen. Was würde das auch für einen Sinn machen. Der Brief war eines der wenigen Dinge die sie noch von ihm hatte. Die letzten Erinnerungen. Neben den Fotos. Neben ihren Gedanken. Und ihren Gefühlen. Aber diese hatte er mittlerweile zerstört. Hatte ihr ihre ganze Liebe genommen. Sie wurde verdrängt und ersetzt durch Hass. Es war vorbei. Ihre Liebe hatte ein Ende. Sie war Vergangenheit. Geschehen. Passiert. Was vor ihr lag war die Zukunft. Daran musste sie festhalten. Aber die Zukunft war dunkel. Finsternis regierte ihre Gedanken. Ihr Leben. Ihre Welt. Alles war unwichtig. Wirkte klitzeklein im Vergleich zu ihrem Kummer. Zu ihrem Liebeskummer. Und doch hatte sie es kommen sehen. Sie wusste, dass es irgendwann so kommen würde. Das es irgendwann vorbei wäre. Aber daran wollte sie nicht denken. Für sie zählte immer nur ihre gemeinsame Zukunft. Doch die gab es nun nicht mehr.

    Wir ham uns totgeliebt
    Es bringt mich um
    Weil unser Traum
    In Trümmern liegt


    Ihr Traum. Der Traum an eine gemeinsame Zukunft. Es war der Traum von beiden gewesen. Doch nun war er zerstört. Zerstört durch sie selbst. Ihre Liebe verband sie und entzweite sie. Sie brachte sie zusammen und auseinander. Wofür war sie dann überhaupt gut? Durch sie hatte es eine schöne, glückliche Zeit gegeben und jetzt lag eine schlimme, traurige Zeit vor ihr. Und alles nur wegen der Liebe. Glück und Trauer. Zwei Dinge, die verschiedener nicht sein könnten. Und doch waren sie so eng verbunden. Lagen so eng beieinander. Aber nun war es vorbei. Zu Ende. Nach fast einem Jahr. Eine gemeinsame Wohnung hatte es noch nicht gegeben. Aber sie hatte bald folgen sollen. Und mit ihr sollte eine kleine Familie folgen. Sie hatten heiraten wollen. Den Rest ihres Lebens zusammen verbringen. Aber alles war anders gekommen.
    Es klingelte an der Tür. Doch sie wollte nicht aufstehen. Nicht zur Tür gehen. Sie wollte niemanden sehen. Niemanden Hören. Was konnten sie schon tun? Ein paar tröstende Worte. Aber mehr nicht. Niemand konnte sagen wie sie sich fühlte. Niemand konnte das nachvollziehen. Wieso machten sie sich also überhaupt die Mühe? Sie sollten wegbleiben. Schweigen. Sie in Ruhe lassen. Sie würde von selbst kommen, wenn sie sich danach fühlte.

    Die Welt soll schweigen
    Und für immer einsam sein
    Wir sind verloren
    Auch wenn die Mächte
    Sich vereinen


    Sie brauchte niemanden. Niemanden außer ihm. Alles andere war ihr egal. Zählte nicht. Einsamkeit war alles was sie fühlte. Wollte. Brauchte. Nichts war mehr wichtig. Alles egal. Sie war verloren. Verloren gegangen zusammen mit ihren Gefühlen. Zerstört worden. Und niemand konnte es wieder gut machen. Sie wieder heilen. Nur er. Und das würde keinen Sinn mehr machen. Sie hatten sich auseinander gelebt. Totgeliebt. Ihre Beziehung war zu Ende.

    Es ist vorbei

    Vorbei. Vorbei. Vorbei. Das Wort schmerzte so unendlich. Zerstörte das Letzte in ihr. Es war vorbei. Nach fast einem Jahr. Einfach so vorbei. Vielleicht war es auch besser so. Doch in diesem Moment tat es einfach nur weh. Sein Brief. Immer noch in ihrer Hand. Sie las ihn immer und immer wieder. Nahm jedes seiner Worte einzeln auf. Obwohl es sie zerstörte. Sie nahm alles nur noch verschwommen wahr. Zu viele Tränen waren an diesem Tag durch ihre Augen geflossen. Es musste jetzt irgendwann nachmittags sein. Heute morgen als sie aufwachte, fand sie seinen Brief. Das einzige was er da gelassen hatte. Alles andere hatte er schon wieder mitgenommen. Den Teil seiner Klamotten, die er bei ihr hatte. Einen Teil seiner CDs und all die anderen Dinge die mal bei ihr liegen geblieben waren. Als sie dann den Brief fand und das erste Mal las, wollte sie es nicht wahrhaben. Sie ging durch ihre Wohnung und sah, dass alle seine Sachen weg waren. Sie sammelte alle Fotos, die sie hatte und legte sich wieder hin. Und dort war sie bis jetzt geblieben. Weinend. Mit dem Brief in der Hand. Von dem Brief konnte man mittlerweile fast nichts mehr lesen. Ihre Tränen hatten seine Tinte verwischt. Aber wirklich lesen musste sie auch nicht mehr. Sie kannte es schon auswendig. Jedes einzelne seiner Worte kannte sie. Sie hatten sich in ihr Hirn gebrannt und würden nie wieder daraus verschwinden. Ihr Traum war geplatzt. Der Traum einer gemeinsamen Zukunft. Es war nun vorbei. Vorbei. Vorbei. V – O – R – B – E – I. Dieses Wort und jeder einzelne Buchstabe hallte in ihrem Kopf wieder. Sie konnte an nichts anderes mehr denken. Die Erinnerungen verblassten Stück für Stück. Was gab es jetzt schon noch? Es hatte doch alles keinen Sinn mehr! Warum aufstehen? Warum mit jemandem reden? Warum arbeiten gehen? Warum was essen? Warum sich umziehen? Warum duschen? Für wen das alles? Sie selber legte in diesem Moment keinen Wert darauf und es gab niemand anderen für den sie irgendwas dergleichen getan hätte.

    Die Geier kreisen
    Über unserem Revier
    Was nehmen wir noch mit
    Is alles nichts wert
    Wenn wir uns verliern


    Mitgenommen hatte er alles. Seine Sachen. Ihre Freude. Ihre Gefühle. Ihr Inneres. Und ihr Leben. Alles ist verloren gegangen. Tag für Tag ein Stückchen mehr. Ohne, dass sie es gemerkt hatte. Erst jetzt wurde ihr alles bewusst. Dass ihre Beziehung schon länger am zerbrechen war. Dass es in der letzten Zeit eigentlich nur noch eine Pflicht war. Alle hatten immer gedacht sie wären das perfekte Paar. Auch sie selber hatte diesen Gedanken und wollte ihn auch nicht loswerden. Doch es war schon lange nicht mehr so. Angefangen hatte es mit kleinen Streitereien und anschließenden umso größeren Versöhnungen. Doch wirklich ausgefüllt hatten die beiden sich schon lange nicht mehr gefühlt. Die Beziehung war nur noch ein Schein. Natürlich hatten sie sich noch geliebt. Aber es war nicht mehr das, was es am Anfang war. Der Alltag hatte es zerstört. Sie hatten sich jeden Tag gesehen. Klar, es war schön gewesen. Aber sie sind einfach daran kaputt gegangen. Sie und ihre Liebe.

    Sie kommen näher
    Sind hinter uns her
    Wollen dich und mich
    Lass mich jetzt los
    Ich kann nicht mehr


    Am Ende waren sie nur noch wegen der Öffentlichkeit, wegen ihren Freunden zusammen gewesen. Das wurde ihr nun klar. Sie wollten die beiden als Paar. Als das perfekte Paar. Sie hatten die beiden zusammen gehalten. Aber das fiel ihr erst jetzt auf. Jetzt wo es vorbei war. Wo ihr alles weggenommen worden war. Was machte ihr Leben jetzt noch für einen Sinn? Er war der Sinn ihres Lebens. Wo sie jetzt so darüber nachdachte, war es wahrscheinlich ein Fehler gewesen, dass sie ihn zum Sinn ihres Lebens gemacht hatte. Aber wie konnte sie damals wissen, dass die Beziehung irgendwann mal enden würde? Das haben sie beide am Anfang nicht geahnt. Und doch war es nun also dazu gekommen. Aber was kam jetzt? Nichts. Es gab nichts worauf sie hinarbeiten konnte. Sie hatte keine Ziele vor Augen. Was sollte da schon sein? Er war ihr Leben. Nach dem Leben kam der Tod.

    Es bringt mich um

    Aber umbringen wollte sie sich nicht. Auch wenn ihr Leben nichts mehr Wert war, dazu war ihr Lebenswille zu groß. Denn eigentlich war ihr Leben ja in Ordnung gewesen. Auch neben der Beziehung zu ihm lief alles super. Aber eigentlich ist eine Einschränkung. Und diese Einschränkung war eben er. Was also kam nun nach ihm? Nichts. Sie musste sich endlich damit abfinden. Was brachte es ihr schon stundenlang auf ihrem Bett rum zu sitzen und ihm nach zu heulen. Davon wurde es auch nicht besser. Und im Übrigen. Auch wenn er ihr Leben gewesen war, das war er trotzdem nicht Wert. Und ganz unschuldig an der Sache war sie ja auch nicht. Denn zu einer Beziehung gehören immer zwei.

    Wir ham uns totgeliebt
    Es bringt mich um
    Weil unser Traum
    In Trümmern liegt


    Sie hatte gewusst, dass es so kommen würde und trotzdem verletzte es sie. Und wozu aufstehen? Rausgehen? Arbeiten? Na gut, das Geld konnte sie gebrauchen. Aber in diesem Zustand konnte sie unmöglich auf die Straße gehen. Ihr Gesicht war Rot und von Tränen gesegnet. Ihre Augen glichen Tomaten. Ihre langen Haare total zerzaust. Da würden auch duschen und schminken nichts bringen. Der heutige Tag war gegessen. Hunger hatte sie auch keinen. Uns so blieb sie weiter auf ihrem Bett sitzen. Weinte. Las seinen Brief beziehungsweise das, was von ihm übrig geblieben war. Die Tinte verwischt. Das Papier aufgeweicht. Auch ihr Nachthemd war total durchnässt. Und langsam wurde ihr richtig kalt. Auch wenn die ersten Sonnenstrahlen des Frühlings durch ihr Fenster drangen, blieb es in ihrem Zimmer kalt. Wie konnte er ihr nur so viel bedeuten? Sie waren doch noch nicht mal ein Jahr zusammen gewesen. Na ja möglich war es schon, denn er war ihre erste wirklich große Liebe. Klar sie hatte schon einige Beziehungen hinter sich, aber nie war es ihr so ernst gewesen wie mit ihm. Er war etwas besonders gewesen. Etwas besonderes was für sie nun nicht mehr existierte. Was sie verloren hatte.

    Die Welt soll schweigen
    Und für immer einsam sein
    Wir sind verloren
    Auch wenn die Mächte
    Sich vereinen


    In ihren Gedanken versunken, zuckte sie plötzlich zusammen. Sie hatte sich erschrocken. Woher kam jetzt plötzlich diese Musik? Sie sah sich um. Es war ihr Handy, was auf dem Nachttisch lag. Sie rutschte zurück und nahm es in die Hand. Ein Anruf. Von ihrer besten Freundin. Doch sie wollte nicht dran gehen. Auch wenn sie nicht wusste, was ihre Freundin wollte. Sie wies den Anruf ab und legte das Handy weg. Dann fiel ihr ein, warum ihre Freundin angerufen hatte. Sie waren eigentlich für heute verabredet gewesen, aber sie hatte sie versetzt. Hoffentlich war sie nicht all zu sauer. Na ja wenn sie wüsste, warum sie nicht gekommen war, würde sie es verstehen. Aber wie sollte sie es wissen? Von wem? Vielleicht sollte sie sie doch zurück rufen. Aber dann würde sie sicher vorbeikommen wollen. Und das wollte sie nicht. Sie wollte alleine sein und niemanden sehen. In der Einsamkeit verweilen. Zuflucht finden. Sich selbst trösten. Oder im Selbstmitleid versinken. Vielleicht wäre Schlaf nicht schlecht. Aber wie sollte sie so einschlafen können? Dazu war sie viel zu sehr mit ihren Gedanken beschäftigt.

    Es ist vorbei

    Irgendwann quälte sie sich schließlich doch aus dem Bett und ging in die Küche. In irgendeinem Schrank war bestimmt noch Schokolade. Sie hatte doch noch letzte Woche welche gekauft. Und sie wurde auch fündig. Mit einer Tafel Schokolade und mehreren Päckchen Taschentücher beladen machte sie sich wieder auf den Weg in ihr Schlafzimmer. Türe zu. Fernseher an und hinlegen. Vielleicht kam ja irgendwas Vernünftiges. Sie schaltete durch die Programme und landete schließlich bei einer der unzähligen Soaps. Und wie das Schicksal es so wollte, ging es auch dort um ein Liebesdrama. Sie hatte also jemand gleich gesinnten gefunden. Und jemanden, den sie bemitleiden konnte. So musste sie sich wenigstens nicht selbst bemitleiden.

    Die Geier kreisen
    Über unserm Revier
    Töten das letzte von dir
    Und das letzte von mir
    Es bringt mich um


    Doch auch auf das Fernsehen konnte sie sich nicht wirklich konzentrieren. Immer wieder schweiften ihre Gedanken ab und landeten wieder bei ihm. Er und seine Liebe hatten ihr alles genommen. Das letzte in ihr getötet. Und sie wohlmöglich auch in ihm. Aber das war ihr egal. Sie schob sich ein Stück der Schokolade in den Mund und verfiel anschließend in einen erneuten Heulkrampf. Weitere Tränen tropften auf seinen Abschiedsbrief. Sie drehte sich ein bisschen und krümmte sich zusammen. Das durchweichte Papier zerriss. Wut kam in ihr auf. Sie knüllte die Überreste des Briefs zusammen und wollte ihn in irgendeine Ecke werfen. Er landete genau auf dem zerbrochenen Bild. Auf dem Scherbenmeer. Es war der Anfang und das Ende ihrer Beziehung. Nach einem weiteren Stück Schokolade stand sie auf und ging auf den Scherbenhaufen zu. Sie wollte das Foto rausnehmen. Doch bevor es überhaupt dazu kam, trat sie in eine Scherbe. Doch es war ihr egal. Ihr war einfach alles egal. Sie nahm das Bild und ging wieder zu ihrem Bett. Hinterließ Bluttropfen auf dem Boden. Und schließlich auch auf ihrer Bettdecke. Egal. Es war ihr egal. Einen letzten Blick warf sie auf das Bild. Dann teilte sie es in der Mitte. Jetzt gab es einen Teil mit ihr drauf und einen mit ihm. Den von ihm zerriss sie noch ein weiteres Mal. Und noch mal. Solange bis es nur noch kleine Fetzen waren. Das tat sie nun mit allen anderen Bildern auch. Völlig unkontrolliert. Wut, Trauer, Hass und Schmerz in einem waren die Ursachen. Es wurde ihr alles zu viel. Selbst das Weinen war zu anstrengend. Und trotzdem konnte sie nicht aufhören. Und wieder landete sie mit ihren Gedanken da wo sie schon die ganze Zeit war. Es war vorbei. Vorbei. Vorbei.

    Wir ham uns totgeliebt
    Es bringt mich um
    Weil unser Traum
    In Trümmern liegt
    Die Welt soll schweigen
    Und für immer einsam sein
    Wir sind verloren
    Auch wenn die Mächte
    Sich vereinen
    Es ist vorbei


    Ihr Leben musste weiter gehen. Aber nicht mehr heute. Die Schokolade war weggegessen, die Taschentücher leer und ihre Kraft verbraucht. Sie ließ sich zurückfallen und schloss die Augen. Vielleicht konnte sie ja wenigstens für einen Moment alles vergessen und einschlafen. Morgen war auch noch ein Tag. Und hoffentlich ein besserer.